KFT Schild
                                                                © Jürgen Haaks / Uni Kiel
 

Vielfalt ist eine Tatsache und fester Bestandteil des Lebens in der modernen Gesellschaft. Gleichzeitig zeigt die Gruppenforschung, dass Menschen, die unterschiedlichen Gruppen oder sozialen Kategorien angehören, einander meist nicht mögen. Das lässt sich regelmäßig beobachten, wenn Menschen aufeinandertreffen, die einen unterschiedlichen nationalen oder ethnischen Hintergrund besitzen, einen unterschiedlichen Glauben oder unterschiedliche Lebensstile praktizieren oder unterschiedliche politische und ideologische Meinungen vertreten. Solche Antipathie bietet einen fruchtbaren Boden für ein breites Spektrum von sozialen Konflikten, das von Ablehnung und Streit im Kleinen zwischen einzelnen Individuen bis zu systematischer Diskriminierung und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen gesellschaftlichen Gruppen reicht. Dieses Konfliktpotenzial verweist auf die Notwendigkeit gegenseitiger Toleranz insbesondere in modernen Gesellschaften.

Die Kieler Forschungsstelle Toleranz (KFT) ist am Lehrstuhl für Sozialpsychologie und Politische Psychologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angesiedelt. Sie widmet sich der Aufgabe, auf der Grundlage einer wissenschaftlich fundierten Toleranzkonzeption Möglichkeiten der praktischen Umsetzung und gesellschaftlichen Wirksamkeit von Toleranz empirisch zu erforschen. Im Zentrum steht die Auffassung von Toleranz im Sinne einer Haltung, die zwischen vollständiger Akzeptanz und ungezügelter Ablehnung angesiedelt ist. Diese Zwischenposition von Toleranz bedeutet, dass wir keineswegs unsere Ablehnung „des Anderen“ aufgeben müssen, um tolerant zu sein. Allerdings verlangt Toleranz von uns, dass wir diese Ablehnung zügeln, und zwar durch Respekt (im Sinne von Gleichheitsanerkennung) gegenüber allen Menschen. Nur dann ist Toleranz mehr als bloße Duldung, die nach Gutsherrenart gewährt und wieder entzogen werden kann. Gleichzeitig ist eine solche Auffassung von Toleranz aber auch nicht mit allzu großen Harmonieerwartungen und weitergehenden Forderungen nach Wertschätzung oder sogar Zuneigung überfrachtet.

Forschung zur Toleranzthematik bildet die Basis und zentrale Aufgabe („First Mission“) der KFT. Grundlagenforschung bildet den Schwerpunkt unserer Arbeit, doch auch anwendungsbezogene Forschungsarbeiten (z.B. wohlbegründete Interventionsstudien) finden bei uns ihren Platz. Das Methodeninventar umfasst in erster Linie quantitative Quer- und Längsschnittuntersuchungen im Feld sowie Laborexperimente, schließt jedoch qualitative Methoden keineswegs aus.

Hinzutreten als weitere Aufgabenfelder der KFT eine inhaltlich auf die Toleranzthematik ausgerichtete akademische (Aus-)Bildung von Studierenden und Nachwuchswissenschaftler*innen („Second Mission“) sowie der Erkenntnistransfer im Sinne eines Hineinwirkens in die Gesellschaft („Third Mission“).

 

Missionen der Kieler Forschungsstelle Toleranz